STATIONENTHEATER | DIE RÜCKKEHR NACH CANOSSA

Ein grenzüberschreitendes Theaterspektakel

Das Stück spielt an einem Tag Anfang des 20. Jahrhunderts in einem italienischen Landhaus. Ein italienischer Edelmann, dessen richtiger Name in dem Stück nie genannt wird, hat vor 20 Jahren, als Kaiser Heinrich IV. verkleidet, an einem Maskenumzug teilgenommen. Diese Rolle hatte er gewählt, weil die junge Frau, die er liebte, die Rolle der Markgräfin Mathilde von Toscana gewählt hatte: Er wollte zu ihren Füßen liegen wie Heinrich IV. in Canossa. Leider scheute sein Pferd, er schlug mit dem Kopf auf und wurde bewusstlos. Als er wieder zu Bewusstsein kam, glaubte er, wirklich Heinrich IV. zu sein. Um ihn zu schonen, bestätigen seine Mitmenschen diesen Wahn, indem sie ihm in mittelalterlichen Kostümen begegnen und ihn wie den Kaiser behandeln.

  • Der erste Akt: Heinrich wird von seinen alten Freunden Mathilde, die damals als Mathilde von Toscana am Umzug teilgenommen hatte, sowie der mit ihr befreundete Baron Belcredi und ihrer Tochter Frida, in Begleitung eines Nervenarztes besucht, der versuchen soll, ihn endlich zu heilen. Heinrich spricht davon, dass man ihm beistehen möge, dass der Papst ihn aus seiner Rolle erlöst. Als er während seiner Reden einmal Mathilde tief in die Augen schaut, ist diese überzeugt, dass er sie erkannt hat.
  • Der zweite Akt: Mathilde äußert ihre gewonnene Überzeugung, der die anderen widersprechen. Als Heinrich IV. wieder erscheint, versucht er, sich der Zuneigung seiner Umgebung zu vergewissern. Es bleibt nun dem Zuschauer überlassen, ob er Mathildes doppeldeutiger Interpretation der Aussagen Heinrichs IV. folgen will. Nachdem die Besucher gegangen sind, erklärt Heinrich IV. seinen Die- nern, dass er schon seit einigen Jahren gesund ist und die Maskerade durchschaut.
  • Der dritte Akt: Der Arzt versucht Heinrich IV. durch eine Art Schocktherapie zu heilen. Dazu lässt er Frida, die als Mathilde von Toscana verkleidet ist, im Halbdunkel aus einem Bilderrahmen springen. Inzwischen haben die Diener den anderen mitgeteilt, dass Heinrich IV. geheilt sei. Dieser ist aber so empört und geschockt, dass er mit einem Degen in den Unterleib Belcredis sticht. Er wird schwer verletzt aus dem Saal getragen und ein Schrei Mathildes lässt darauf schließen, dass er der Verletzung erlegen ist. Daraufhin sagt Heinrich IV., dass er nun gezwungen sei, seine Rolle für immer weiter zu spielen.

Pirandello‘s Heinrich IV. wurde 2019 vom britischen The Independent als eines der 40 besten Theaterstücke aller Zeiten gekürt und hat ein Jahrhundert nach seiner Uraufführung nichts an Aktualität eingebüßt. In den letzten Jahren haben wir einen internationalen Aufschwung des Despotentums erlebt, Männer wie Trump, Putin, Erdogan aber auch Orban. Pirandellos Komödie führt dieses Despotentum, das auch zu seiner Zeit grassierte, ordentlich vor und macht klar, dass Despoten nur dann an der Macht bleiben, wenn das Volk mitspielt.Aber Heinrich IV. wirft als Stück auch eine tiefgehende Frage auf: “ Ist das Leben in der Illusion dem realen Leben vorzuziehen?”

Das Stück wird an drei Wochenenden in drei Akten auf drei Bühnen zwischen jeweils zwei Orten gespielt. Hierbei ist das Publikum auch Teil der Inszenierung. Es begleitet Kaiser und Hofstaat in einer Prozession Richtung Süden. Auf Sänfte und mit Leiterwagen bewegt sich die Kaiserfigur im Büßergewand von einer Station zur nächsten, getragen und gefolgt von MusikerInnen und StatistInnen, mit Masken, Fahnen und Stan- darten ausgestattet. Mit Theaterfackeln begleitet das Publikum die Prozession und wird über die- se Interaktion Teil der Inszenierung. Nicht nur die Schauspieler gestalten die Phantasiewelt von Pirandellos Hauptfigur, sondern auch das Publikum. Schriftsteller und Regisseur Rafael David Kohn erarbeitet auf Grundlage von Pirandellos HeinrichIV. eine Spielfassung, die dem Konzept entspricht.

  • Samstag, 17. August 2024 zwischen Oberhausen (SÜW) und Kapellen-Drusweiler (SÜW)
    Station 1: Weingut Geiger,Oberdorfstraße 20, 76887 Oberhausen, https://geiger-wein.de
    Station 2: Altes Pfarrhaus, Fam. Burkhardt-Simon, Dorfstraße 7, 76889 Kapellen-Drusweiler, Kulturverein Kapellen-Drusweiler, https://www.kapellen-drusweiler.de
    Station 3: Weingut Jean Rapp,Obere Hauptstraße 4, 76889 Kapellen-Drusweiler, https://www.jean-rapp.de
  • Freitag, 23. August 2024 und Samstag, 24. August 2024 zwischen Schweigen-Rechtenbach (SÜW) und Wissembourg (Frankreich)
  • Freitag, 30. August 2024 und Samstag, 31. August 2024 zwischen Gleiszellen-Gleishorbach (SÜW) und Klingenmünster (SÜW)

Gültig für alle Veranstaltungen

  • Einlass: 17:00 Uhr, Beginn: 19:30 Uhr
  • Aufführungsdauer: an drei Stationen jeweils ca. 30 Minuten, dazu kommt die Wanderzeit des Prozessionszugs zwischen den Stationen, also ein Vorstellungsprogramm von ca. 3 Stunden Dauer.
  • An den 3 Stationen wird es für alle Zuschauer Sitzmöglichkeiten geben.
  • Essen und Trinken: Es wird am Startpunkt, vor den Vorstellungen ab 17.30 Uhr serviert. Das Essen kann mit dem Eintrittspreis zu jeweils 15,00 € vorab bestellt werden.
  • Kostenloser Shuttleservice: zwischen dem Start- und Zielort vor bzw. nach den Vorstellungen, für alle die vor oder nach der Aufführung den Weg nicht nochmal laufen können oder wollen.
  • Tickets unter https://kulturinitiative-gleiszellen-gleishorbach.de/?url=tickets oder an der Tageskasse. Vorbuchung auch möglich per E-Mail:info@kulturinitiative-gleiszellen-gleishorbach.de. Eintritt: 20 € pro Person (35 € inkl. Essen) Für Kinder und Jugendliche ist der Eintritt frei. Bitte beachten:Das Essen muss vorab gebucht werden.

Kontakt: KULTURINITIATIVE Untere Winzergasse Gleiszellen-Gleishorbach e.V.Jörg Brombacher, Winzergasse 10,D-76889 Gleiszellen-Gleishorbach, E-Mail und Webseite :info@kulturinitiative-gleiszellen-gleishorbach.de www. kulturinitiative-gleiszellen-gleishorbach.de